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Zielsetzung: "Tonstudio" unter Linux einrichten

Was ist zu tun, wenn die eigene Tochter kreativ ist und musikalisch, sowohl am Klavier als auch am PC flott an der Tastatur ist und nun Musik auf dem Computer machen will?

Was genau hat sie vor, die Tochter?

Sie will: Ihre eigene Musik komponieren indem sie verschiedene Sounds, Klänge, Melodien, Stimmen usw. "übereinanderlegt", zusammenmischt. Einen Teil der Klänge möchte sie an der Tastatur selbst erstellen. Diese sollen sich dann z. B. wie Gitarre, Schlagzeug oder was weiß ich anhören.

Tochter wie Vater sind Freunde freier Software. Soweit also ein PC und Software am kreativen Geschäft beteiligt sind, soll daher auf Open Source Software unter Linux zurückgegriffen werden.

Wir beschreiben auf diesen Seiten, wie wir die oben genannte Zielsetzung erfolgreich realisiert haben (werden :-). Dabei müssen wir uns zunächst darüber klar werden, was genau (in der Sprache der Audio-/Keyboard-/Midi-Spezialisten) wir eigentlich wollen. Natürlich gibt es - wie fast immer im Leben - viele unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten und wir haben uns für eine zu entscheiden.


Die Hardware

Ein Masterkeyboard soll es sein

Was braucht es an Hardware? Nach einigem Googlen und nach Beratung durch die sehr hilfsbereiten Leute auf www.musiker-board.de (siehe: Forum-Thread: Keyboard - Was genau brauche ich?) entschieden wir uns für ein sogenanntes Masterkeyboard (auch Midi-Keyboard genannt). Ein Masterkeyboard ist ein Keyboard ohne eigene Klangerzeugung, für sich alleine ist es also völlig stumm. Damit was zu hören ist, muss man einen Klangerzeuger anschließen. Dies muss keine zusätzliches Gerät sein sondern diese Aufgabe kann auch ein Software-Synthesizer übernehmen (hierzu später mehr). Verwendet man einen Software-Synthesizer, wird das Master-Keyboard an einen PC angeschlossen. Das Masterkeyboard verfügt über einen integrierten Midi-Controller, der Steuerdaten (Midi-Befehle) an den angeschlossenen Computer übermittelt. (Mehr Informationen zu Masterkeyboards und MIDI finden sich in der Wikipedia: Masterkeyboard bzw. MIDI).


Das CME UF6

Auf der Suche nach einem preislich erschwinglichen Masterkeyboard stießen wir auf häufige lobende bis euphorische Berichte, Forenbeiträge und Tests über die Masterkeyboards der Firma CME CME zur UF-Serie. Wir entschieden uns schließlich für das CME UF6. Es lag zwar am Ende mit allem drum und dran (einschließlich eines Keyboard-Ständers) mit 253 Euro einschließlich Versandkosten doch leicht über unserem eigentlichen Limit, aber man gönnt sich ja sonst nix ;-) Bestellt haben wir das Teil übrigens im Internet-Versandhandel bei thomann.de. Hat alles prima geklappt, das Gerät war innerhalb von zwei Tagen bei uns zu Hause.

Ist schon ein cooles Teil, dieses Gerät! Sieht einfach klasse aus! Ist aus Alu und stabil verarbeitet, kein klappriger Plastikkram halt. Hat jede Menge interessante Knopfchen und Regler (keine Ahnung, wozu die alle gut sind).

image:cme-uf6.jpg

Die Features des CME UF6:

  • Master MIDI-Keyboard mit eingebauter USB-Schnittstelle
  • 61 Tasten mit Aftertouch
  • Pitch- und Modulationsrad
  • 8 programmierbare Knöpfe
  • Preset-Funktion für diverse Midi Controller
  • 9 programmierbare Fader (Slider)
  • LED Display
  • 9 Knöpfe für Programchange, Transpose, Octave, Channel, Split, Dual und andere Funktionen
  • 6 Knöpfe für die Sequenzer- Transportkontrolle: REC, PLAY, STOP, FF, REW, BACKWARD
  • BC (Breath Controller) Port
  • 1 MIDI out Port
  • Anschluss für Sustain- und Volumepedal
  • USB MIDI Port
  • USB-Powered
  • Optionales Firewireboard mit IEEE 1394 Audiointerface Stereo I/­O 24bit/­192k

Testberichte

Die veröffentlichten Tests kamen übereinstimmend zu positiven Wertungen:

  • amazona.de schreibt am 21.8.2006: "CME überzeugt mit der UF Serie in Punkto Qualität und Ausstattung. Das Preis/Leistungsverhältnis ist derzeit unübertroffen."
  • homerecording.de am 15.7.2005: "Ich glaube für diesen Preis bekommt man kein anderes so gut ausgestattetes 61-Tasten Midi-Controllerkeyboard mit einer derartig exzellenten Tastatur und perfekt funktionierenden Cubase SX 3 Einbindung. ... Ich hoffe dieser Testbericht hat einige von euch für die CME-Produkte begeistern können, es lohnt sich wirklich."
  • Christian Hunziker schreibt für musicfarm.org Ende 2005: "Es ist also doch möglich, eine preisgünstige USB-Tastatur mit professionellem Tastatur-Aftertouch anzubieten. Und dass die gesamte Qualität dabei noch dermassen zu überzeugen vermag, ist doppelt erfreulich. Die UF-Keyboard Serie von CME zeigt einen vielversprechenden Start einer neuen Generation chinesischer Qualitätsware zum günstigen Preis! Das Warten hat sich gelohnt."


Referenzen / Infos


Das Betriebssystem: Linux - Ubuntu (7.10 Gutsy) / Ubuntustudio

Als Betriebssystem verwenden wir Linux und zwar die am 18.10.07 erschienene Version 7.10 von Ubuntu (Spitzname: Gutsy). Die Installation ist sehr einfach und soll hier nicht weiter beschrieben werden.

Nach der Basisinstallation von Ubuntu Gutsy erfolgt die Installation der Erweiterungen, die Ubuntustudio für die Audio-Bearbeitung zur Verfügung stellt. Das geht am einfachsten auf der Konsole mit dem Befehl:

sudo apt-get install ubuntustudio-audio \
                     ubuntustudio-audio-plugins \
                     ubuntustudio-menu \
                     ubuntustudiolauncher

Anschließend installieren wir noch einen Echtzeitkernel (Auch Realtime-Kernel genannt). Sowas braucht man als Hardcore-Audioworkstation-Worker :-) . Ein Echtzeit- oder Low-Latency-Kernel ermöglicht sehr geringe Latenzen. Niedrige Latenzen, d. h. schnelle Signalverarbeitung ist erforderlich um virtuelle Instrumente mit echtem Gefühl ohne Verzögerung spielen oder nativ berechnete Effekte in Echtzeit benutzen zu können.

Seit Gutsy ist die Installation eines Echtzeitkernels unter Ubuntu einfach:

sudo apt-get install linux-rt \
                     linux-restricted-modules-rt

Beachte: Für reine Desktopsysteme bringt ein Echtzeitkernel keinen Vorteil. Unter Umständen kann der Durchsatz sinken und der Stromverbrauch steigen. Weitere Informationen: (http://wiki.ubuntuusers.de/Echtzeitkernel)

Beim Start des Rechners wird nun in einem Menü die Möglichkeit gegeben, entweder den normalen Ubuntu-Kernel oder den Echtzeit-Kernel (realtime kernel, erkennbar am Zusatz "-rt") zu laden.

Die durch die Ubuntustudio-Installation verfügbar gemachten Audio-Programme können über das Menü "Anwendungen|Unterhaltungsmedien|Audioproduktion" aufgerufen werden (siehe Bild unten). Einige der Programme werde ich später noch genauer besprechen.

Bild:Menue_Audioproduktion.png

Anschluss des Masterkeyboards an den Rechner

Das ist natürlich der Nachteil bei einem Masterkeyboard: Da steht das Teil im Zimmer der Tochter und gibt von alleine keinen Mucks von sich. Ohne Klangerzeuger läuft nichts, also muss möglichst rasch die Kommunikation mit dem PC klappen. Das stellte sich als völlig problemlos heraus. Zunächst haben wir den folgenden Befehl in der Konsole eingegeben, der uns zeigt, ob das Betriebssystem das angeschlossene Gerät erkennt:

tail -f /var/log/messages

Danach haben wir das Masterkeyboard über den USB-Port angeschlossen und wir erhalten die Ausgabe:


Oct 21 21:28:23 notebook kernel: [  286.766248] usb 2-1: new low speed USB device using ohci_hcd and address 5
Oct 21 21:28:23 notebook kernel: [  286.956904] usb 2-1: configuration
#1 chosen from 1 choice
Oct 21 21:28:23 notebook kernel: [  286.968205] input: Logitech USB-PS/2 Optical Mouse as /class/input/input11
Oct 21 21:28:23 notebook kernel: [  286.969382] input: USB HID v1.10 Mouse [Logitech USB-PS/2 Optical Mouse] on usb-0000:02:0e.0-1
Oct 21 21:28:24 notebook kernel: [  191.581957] usb 2-2: new full speed USB device using ohci_hcd and address 6
Oct 21 21:28:24 notebook kernel: [  288.357052] usb 2-2: configuration
#1 chosen from 1 choice


Sieht gut aus! Ich habe zwar keine Ahnung, warum zwei USB Devices erkannt werden und eines davon eine Maus sein soll, aber das kriegen wir auch noch raus und ist wahrscheinlich im Moment nicht so wichtig.

Ich hatte ja zuvor schon ein wenig gegoogelt und wusste, ich brauche

  1. den Soundserver Jack und
  2. einen Klangerzeuger, da gibt es einen, der hört auf den schrecklichen Namen: ZynAddSubFX

Zu beiden Programmen gleich mehr. Zunächst haben wir - ohne genau zu wissen, was wir da eigentlich machen, den Soundserver Jack über das "Jack Audio Connection Kit - Qt GUI Interface" gestartet (Aufruf über "Anwendungen|Unterhaltungsmedien|Audioproduktion|JACK Control"). Der Klick auf "Start" startet Jack (so einfach ist Linux :-) In dem Fenster, das sich nach Klick auf "Connect" öffnet, sehen wir (im Reiter "MIDI") schon unser Masterkeyboard (Eintrag: "20:USB Device 0x...").

Bild:JACK_Audio_Connection_Kit_GUI_Connect.png

Erst danach (!) starten wir den Software-Synthesizer ZynAddSubFX (durch Aufruf des Menüs-Eintrags "Anwendungen|Unterhaltungsmedien|Audioproduktion|ZynAddSubFX). Nach dem Start des Synthesizers erscheint im Jack Connect-Dialog ein weiterer Eintrag für ZynAddSubFX. Wir verbinden beide (!) Einträge für das Masterkeyboard mit den Einträgen für ZynAddSubFX im Jack Connect-Dialog durch Ziehen mit der Maus und voila ... beim Klimpern auf dem Masterkeyboard hören wir Töne!

Ton zu leise / Ton scheppert

Falls die Musik zu leise ist und man eine Intel-Sound-Karte verwendet: Bei uns hat der hier beschriebene Trick geholfen:

http://wiki.ubuntuusers.de/Soundprobleme (Ganz unten, Überschrift: "Sound zu leise")

Oder hier (gleiches Problem, noch präzisere Lösung:)

http://wiki.ubuntuusers.de/Soundkarten_installieren/HDA

Überhaupt: Mit der Lautstärke muss man ein wenig rumprobieren:

Im Alsamixer (man erreicht ihn durch Rechtsklick auf das Lautsprechersymbol; unter Ubuntu standardmäßig rechts oben in der Menü-Leiste) sollte man den PCM-Regler nicht zu weit aufreißen (nicht mehr als ungefähr 80%) sonst scheppert der Klang. Auch im ZynAddSubFX die Drehregler sollten nicht bis zum Anschlag aufgedreht werden, sonst schepperts ebenfalls. Man muss die richtige Mischung aus Einstellungen finden aus den Klangreglern im ZynAddSubFX, im Alsa-Mixer und natürlich am Regler der Boxen. Bild:Lautstaerkeregler_Alsa_mixer.png

Der Soundserver Jack

Bild:JACK_Audio_Connection_Kit_GUI.png



Der Synthesizer ZynAddSubFX


Zu große Zeichensätze in ZynAddSubFX

Man kann zwar problemlos damit arbeiten, aber es sieht nicht so schön aus. Auf vielen Systemen (und auch auf unserem) sind die Zeichensätze in ZynAddSubFX etwas zu groß. Das sieht dann nicht so schön, nämlich so aus (Vorher):

Bild:Zynaddsubfx_vorher.png

schöner wärs so (Nachher):

Bild:Zynaddsubfx.png

Dies kann man ereichen, indem ein kleiner Patch eingespielt wird. Dieser findet sich hier:

ZynAddSubFX Zu-große-Zeichensätze-Patch

Kleiner Haken: Nun muss man das Programm manuell neu kompilieren. Ist aber nicht so schwierig, wie es sich anhört. Einfach die folgenden Befehle abarbeiten und fertisch.

sudo apt-get build-dep zynaddsubfx
sudo mkdir /usr/local/src/zynaddsubfx
cd /usr/local/src/zynaddsubfx
sudo apt-get source zynaddsubfx
# Download des Patches (siehe URL oben)
sudo cp ~/home/Desktop/zyn*diff.gz /usr/local/src/zynaddsubfx
sudo gunzip zyn*.diff
cd zynaddsubfx-2.2.1
sudo patch -p1 < ../zyn*.diff
cd src
sudo make
sudo make install

Der Sequencer Rosegarden

Linux Musiker Community

Linux Audio Conference 28.2.-2.3.2008 in Köln http://lac.linuxaudio.org/
Die Linux Audio Conference (LAC) ist sowohl Treffpunkt für Software-Entwickler, die Linux-Audio-Software entwickeln, gleichzeitig aber auch ein Treffpunkt für Musiker aus aller Welt, die zeigen, wie mit freier Software frische und aufregende Klänge erzeugt werden können. Die LAC möchte Entwickler und Benutzer von Linux-Audio-Software zusammenbringen, damit Informationen ausgetauscht und gemeinsame Projekte geplant werden können. Und natürlich treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch, um Musik zu machen (und zur Musik zu tanzen). An jedem Konferenztag findet ein Konzert statt, mit Musik, die mit Hilfe von Open Source Software gemacht wurde. Wie in den Jahren zuvor, werden eine breite Palette von Workshops, Vorträgen und Präsentationen durchgeführt. Das Programm der LAC 2007 findet sich hier: Programm LAC 2007.
linuxaudio.org http://www.linuxaudio.org
Homepage des Linuxaudio.org Consortiums, eine Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, Linux Audio Software zu promoten.
http://www.linuxaudio.org/music Musik zum Reinhören / Downloaden
http://lau.linuxaudio.org/ Linux Audio User Guide
http://lists.linuxaudio.org/ Linux Audio Mailing Listen
http://quicktoots.linuxaudio.org/ Linux Audio Tutorials
[audio4linux] http://www.audio4linux.de/
Alles zum Thema Musikmachen / Tonstudio und Open Source. Das Portal betreibt ein Wiki mit zahlreichen Informationen zum Thema, sowie einen IRC-Channel und ein Forum.
Forum: http://www.audio4linux.de/forum/
Wiki: http://www.audio4linux.de/wiki/

Quellen

Links

ubuntuusers.de


Diverse

Linux-User Artikel

10/2007 - Linux-Audio-Workstation (S. 52)
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02/2007 - Ecasound (S. 54)
So bearbeiten Sie Ihre Sounddateien mit wenigen Befehlen auf Profi-Niveau.
06/2005 - Drei USB-Soundkarten im Test
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http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/06/078-usb-adapter/
06/2005 - Audiodateien bearbeiten mit Sweep
Schneiden, scratchen, konvertieren - Hört man wirklich geheime Botschaften, wenn man Songs der Stones rückwärts spielt? Finden Sie es mit Sweep heraus. Und nicht nur das: Mischen Sie Effekte in Ihre eigenen Aufnahmen oder kombinieren Sie Tracks.
:http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/06/046-schnittsoftware/
06/2005 - Schwerpunkt Audio/Sound
Heft 06/2005
http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/06
06/2005 - Sound-Systeme unter Linux
Unter der HaubeUm Linux optimale Töne zu entlocken, müssen eine ganze Reihe von Software-Komponenten zusammenspielen. Wir zeigen, welche.
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07/2006 - Musik-Software Rosegarden
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http://www.linux-magazin.de/heft_abo/ausgaben/2005/09/klanglich_aufgemotzt
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Der LADSPA-Standard hilft dabei, digitale Klangbausteine für eine Audio-Applikation so zu zimmern, dass auch andere Programme ohne viel Basteln in den Genuss der Klangbeeinflussung kommen. Der Artikel erklärt das Wie und schließt mit einem Programmierbeispiel für ein einfaches Effekt-Plugin.
http://www.linux-magazin.de/heft_abo/ausgaben/2005/09/sound_effektiv
Persönliche Werkzeuge